zurück

Kämpfer wie die Fliege am Fenster

Schwer schleppt die Unruhe der Uhr den Sekundenzeiger
über's Ziffernblatt. Zahnräder reichen Kräfte weiter.
Mechanisch im Takt tickt tagtäglich sie ihr Diktat.
Ich bin nicht sicher, ob ich sie oder sie mich hat.
Muskelfasern kämpfen gegen die Blutbahn.
Schwamm im Kühlschrank verklärt den Aggregatzustand.
Das Ablaufdatum überstanden haben Bakterien in Scharen.
Oxidation herrscht über jede Materie.
Schwere sabotiert jede Aktion.
Wie im Delirium hemmen Synapsen den Fluß der Informationen.
In Formation zeigen gilbende Wandfotos das Präteritum -
ein Medium im Moment verbissen ad infinitum.
Sie sind gekonnte Weltfälscher, deren Anekdoten
die Inhaber der Konterfeis aufstehen lassen von den Toten.
Ich harre vor dem Szenarium mit trockener Pupille
und starre komatös in die Stille

in Gedanken, die in Kreisen fahren wie Modelleisenbahnen,
immer wieder auf den selben Gleisen - über Schwellen und Weichen,
die seit Jahren immer die gleichen Positionen einnahmen.
Das Stellwerk klemmt. Die Lok überfährt die Zeichen.

Wenn Gedanken, die in Kreisen fahren wie Modelleisenbahnen,
immer wieder auf den selben Gleisen karren - über Schwellen und Weichen,
die seit Jahren immer die gleichen Positionen einnahmen:
Das Stellwerk klemmt. Die Lok überfährt die Zeichen.

Und ich treff mich vorm Spiegel wieder. "Heftig", denk ich, seh ich mich.
Tatsächlich läch'l ich, doch was ist so witzig?
Meine Lippen sind rissig, meine Strippen splissig,
meine Augen glasig, Rücken haarig und die Rippen ersichtlich, mir fehlt Klarsicht.
Ich fühl mich kalt und hohl wie mein Gegenüber
und frag mich, wer von uns der Echte ist, und wer der Betrüger.
Ich will das Elend nicht sehen, ich könnt' den Spiegel zerschlagen,
doch die Wirklichkeit gäb's weiter, und ich muß sie ertragen:
Ich komm kaum voran, daß ich fast durch 'n Haufen Laub zu laufen glaub',
vom Raubbau ausgelaugt. Hab ich jetzt meinen ersten Burnout?
Ich hab das Gefühl, ich fress dauernd Staub. -
Als der Scheuerlappen die Pfütze Selbstmitleid unter mir aufsaugt.
Mein Gedächtnis verläßt mich an dieser Stelle gewöhnlich.
Später werd ich lügen: "Ich hab heut so Kram erledigt."
Doch was mach ich eigentlich täglich, wo geht die Zeit mit mir hin?
Jeder Tag ist gratis, doch nur die Basis - das Wagnis und nicht der Gewinn.
Andere haben 'ne Richtung, ich nur Visionen.
Kennst Du das Gefühl: Du willst nach Hause, doch bist es schon?
Ich steh' robust - auf der Stelle - aber mit beiden Füßen - in der Luft wie Seiltänzer -
Und so sagt mein Freund, mein engster:
"Das Leben ist wie 'n Buslenker - Das geht echt rund,
und mal links und mal rechts rum.
Also Kopf hoch, Gauner!" - als wär er mein Henker
"Pfeif ein Lied, statt Trübsal zu blasen! - Kennst ja:
Trag Deine Bürde mit Würde!" - als wär ich Luis Trenker.
"Sei ein Kämpfer!" - bin ich: wie die Fliege am Fenster.

Gedanken, die in Kreisen fahren wie Modelleisenbahnen,
immer wieder auf den selben Gleisen, karren über Schwellen und Weichen,
die seit Jahren immer die gleichen Positionen einnahmen.
Das Stellwerk klemmt. Die Lok überfährt die Zeichen.

Wenn Gedanken, die in Kreisen fahren wie Modelleisenbahnen,
immer wieder auf den selben Gleisen karren - über Schwellen und Weichen,
die seit Jahren immer die gleichen Positionen einnahmen:
Das Stellwerk klemmt. Die Lok überfährt die Zeichen.

Zwischen Computer, Dreck, -wäsche, Fernsehen und Rap
schleppt sich mein Leben dahin wie ein schmutziger Treck gen West.
Es ist die Pest: die Zeit steht nicht, doch bei mir geht nichts.
Unentwegt, täglich, stetig zu schreiben, daran scheiter ich kläglich.
Faulheit nimmt mich als Geisel, läßt mich nich frei.
Ist das der Preis, den man zahlt, wenn man frei sein will?
Ich bin einer von denen, die sich selbst beschäftigen, weil sie keinen Chef kennen,
doch wer hilft einem per Arschtritt, wenn man Tage und Nächte verpennt?
Mein Leben ist wie 'n Beat, es läuft im Loop.
Ich bleib oft wochenlang im Freeze und keiner steht hinter mir und hupt.
Totaler Stillstand wie in nem Bildband.
Ich chill den ganzen Tag lang, andere Künstler nennen das dann "Eindrücke filtern".
Tage laufen ab wie 'ne Tracklist. Zäh, als würd ich nicht leben,
sondern nur meine eigene Biographie lesen.
Ich bräucht' 'n Tritt aus voller Kniekehle, um Schwung zu kriegen, aber zu dumm auch,
daß man um sich selbst in' Arsch zu treten, schon Schwung braucht.
Auch wenn man’s mir auf Anhieb nicht ansieht:
ich bin wie 'n Flugzeug: bezieh' mein Auftrieb aus dem Antrieb.
Wenn ich nichts anschieb' fühl ich mich überflüssig wie Peg Bundy.
Ich wollt' immer unvergänglich sein wie Tannengrün.
Ein mancher macht sein Glück mit links, wie 'n einarmiger Bandit.
Ein anderer kämpft wie Gandhi und hats schwer wie Bambi.
Das Leben ist ein Auf und Ab wie Bungee, und ich häng in den Seilen,
schlafe brüderlich mit meiner Pein weit in den Tag hinein.
Mein Über-Ich sagt, es müsse mich heute schon jucken, wer mir morgen den Arsch wischt,
doch ich verpeil sogar meistens vorm Scheißen zu gucken, ob überhaupt Klopapier da is.